Entropie in der Entwicklung bekämpfen

Manchmal verschwinden Dinge spurlos – einfach weg. Trösten kann man sich dann mit Aussagen wie “ein bisschen Schwund ist immer!”. Dieses Verschwinden von Dingen treibt auch in Entwicklungsprojekten sein Unwesen. Bei der Entwicklung von Embedded Systemen mit mehreren Entwicklern ist es oft schwierig das Material zusammenzuhalten. Der Bedarf von Entwicklern an Akkus, Sensoren, Zubehör, Geräten, Simulatoren und Messmittel scheint immer hoch zu sein.

In meinem aktuellen Projekt versuchen wir dieses Phänomen in den Griff zu bekommen. Die Idee ist so einfach und naheliegend, dass ich mich wundere, dass es nicht öfter angewendet wird. Daher habe ich beschlossen, darüber ein Blog Artikel zu verfassen.

Geräteverwaltung

Bevor ich über das Hilfsmittel zur Bekämpfung von Entropie schreibe, möchte ich noch kurz ein paar Worte zur Geräteverwaltung verlieren. Die Verwaltung der Geräte in der Entwicklung ist eine sehr wichtige Aufgabe, die durch den System Ingenieur betreut werden sollte. Die Funktionsmuster oder Prototypen in der Entwicklung sollen durch eine eindeutige Seriennummer und eine Release-Kennzeichnung klar identifizierbar sein. Die Kennzeichnungen erlauben es, mit Hilfe einer Geräte-Dokumentation Aussagen über die verbauten Komponenten, die eingesetzte Software und den aktuellen Zustand oder Patchzustand zu machen. Dafür können datenbankbasierte Werkzeuge oder aber klassische Excel-Tabellen genutzt werden. Auf Geräte, die zur Qualifikation und für Tests benutzt werden, ist dabei besonders zu achten. In Testberichten benutzte Hardware und Software muss so dokumentiert sein, dass der Test jederzeit nachvollziehbar und wiederholbar ist. Damit ist es notwendig zu dokumentieren mit welchem Gerät in welchem Bauzustand und mit welcher Software ein Test durchgeführt wurde.

Das Zaubermittel zur Bekämpfung von Entropie

Doch jetzt möchte ich Sie nicht länger auf die Folter spannen. Das Zaubermittel zur Bekämpfung von Entropie ist eine Kiste. Diese Kiste muss so groß sein, dass es das System inklusive Zubehör und Simulatoren beinhalten kann. Weiterhin muss die Kiste einen Deckel besitzen. Eine offene Kiste bietet keinen Schutz und die Inhalte diffundieren mit der Zeit weg. Das gesamte Set bestehend aus Kiste und Inhalt wird mit der Seriennummer des beinhalteten Systems gekennzeichnet. Bevor das Set an die Entwickler verteilt wird, werden die Systeme getestet und die Ergebnisse aufgezeichnet. Das System in der Box wird dann durch ein “geprüft”-Siegel gekennzeichnet und darf von nun an für Entwicklungszwecke eingesetzt werden. Wichtig ist, dass das Set einer Person übergeben wird, die für dieses Set zuständig ist. Diese Zuständigkeit wird in der Aufzeichnung für die Geräteverwaltung festgehalten.

Box

Vorteile dieses Vorgehens

Für mich bietet dieses Vorgehen verschiedene Vorteile, die den Aufwand und die Kosten auf jeden Fall rechtfertigen.

  1. Alles hat seinen Platz und damit verschwinden Dinge nicht in Schubladen oder gehen verloren.
  2. Entwickler bekommen ein komplettes Set und verlieren keine Zeit mit der Suche nach Teilen.
  3. Jeder der ein Set bekommen hat, ist verantwortlich seine Teile zusammenzuhalten.
  4. Ein Set kann leicht transportiert und verschickt werden.
  5. Durch eine hochwertige Kiste wird ein bewussterer Umgang mit den Prototypen gefördert. Hochwertige Produkte gehören nicht in zerfledderte Kartons oder Plastiktüten vom Discounter.
  6. Ein Set kann nach der Qualifikation archiviert werden. Damit sind Retests später möglich.
  7. Durch die Vorabprüfung der Sets wird sichergestellt, dass die Prototypen zumindest zum Zeitpunkt der Tests voll funktionsfähig sind.

Auf diese Vorteile möchte ich in diesem und in nächsten Projekten nicht mehr verzichten. Und vielleicht hilft ihnen die Erkenntnis auch bei ihren Projekten. Ich freue mich sehr über Feedback und den Austausch mit ihnen. Sie können gerne einen Kommentar zu dem Artikel abgeben. Falls sie jemanden kennen, für den der Blog ebenfalls interessant sein könnte, freue ich mich sehr über eine Weiterempfehlung.

Viele Grüße

Goran Madzar

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Goran Madzar

Seit Mai 2007 bin ich zusammen mit meinem Kollegen Martin Bosch selbständig. Wir haben ein Ingenieurbüro im Innovations- und Gründerzentrum in Erlangen aufgebaut. Hier entwickeln wir für Kunden in der Medizintechnik mit unseren Mitarbeitern Lösungen für die Produkte von Morgen.

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