Kalibrierung – DakkS oder ISO?

Lassen Sie Ihre Messgeräte kalibrieren? Wissen Sie, worauf dabei geachtet werden sollte?
Im Rahmen unseres QM-Systems nach ISO 13485 haben wir auch einen Prozess für Mess- und Prüfmittel und kalibrieren einige unserer wichtigen Messmittel.
Wir entwickeln neue Schaltungen. Dies geschieht zuerst theoretisch mit Bleistift und Simulation. Anschließend werden die Schaltungen getestet. Dafür werden Funktionsmuster und Prototypen aufgebaut und die korrekte Funktion verifiziert durch Messungen in der Schaltung. Auf diese Messungen müssen wir uns verlassen können und müssen auf die Messgeräte vertrauen.
Dabei hilft die Kalibrierung.

Das Vertrauen in die Messergebnisse wird durch die Kalibrierung dokumentiert und objektiviert. Durch Vergleich der Messwerte eines Geräts mit einem rückführbaren Standard erhält man in regelmäßigen Intervallen den Nachweis, dass ein Messgerät korrekt misst (sh. auch Rückführbarkeit bei Wikipedia).

Wichtige Begriffe

In der Messtechnik wichtige Begriffe findet man an vielen Stellen. Gute Einführungen findet man bei Kalibrierdienstleistern wie WIKA calibration, Fluke, ESZ AG, Testo

Im Brockhaus erhält man zu einigen wichtigen Begriffen folgende Bedeutungen:
Kalibrierung – Einmessen, in der elektrischen Messtechnik das Bestimmen und Kontrollieren der Skala eines Messinstruments während des Fertigungsprozesses.
Eichung – im Sprachgebrauch der Technik häufig das Justieren oder Kalibrieren, eigentlich das Verfahren zur Richtighaltung von Messgeräten aufgrund des Eich-Gesetzes für den gesamten geschäftlichen und amtlichen Verkehr.
Justierung – genaue Einrichtung technischer Geräte vor dem Gebrauch.
Vertrauensintervall ⇨ Konfidenzschätzung in der Statistik der Schluss von Stichprobeninformationen auf eine unbekannte Kenngröße der Grundgesamtheit mithilfe von Konfidenzintervallen.

Arten der Kalibrierung

Lässt man Messgeräte kalibrieren, so hat man in der Regel die Wahl zwischen einer Dakks- und einer ISO-Kalibrierung. Welche Kalibrierung soll man wählen und worin unterscheiden sich diese?

DakkS

Die Dakks-Kalibrierung ist der Gold-Standard in Deutschland. DakkS-Kalibrierungen werden von Laboren durchgeführt, die von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DakkS) auditiert und geprüft werden. Die Kalibrierscheine sind international anerkannt und die Kalibrierung ist rückführbar auf nationale und internationale Normale.

ISO

Die ISO-Kalibrierung ist weniger umfangreich als die DakkS-Kalibrierung, d.h. weniger Messpunkte und weniger Dokumentation, weshalb sie in der Regel auch günstiger ist. Sie entspricht einer Werkskalibrierung, wobei die Norm 17025 erfüllt wird. Das Kalibrierlabor muss dafür nicht bei der DakkS akkreditiert sein und unterliegt nur der eigenen Qualitätskontrolle.

Kalibrierschein

Wenn Sie ein Gerät von der Kalibrierung zurückerhalten, sollten Sie den Kalibrierschein prüfen. Ein Kalibrierschein sollte folgendes enthalten:
• Identifizierung des Geräts: Welches Gerät wurde kalibriert? Angaben über verwendete Messgeräte (Seriennummer)
• Kalibrierverfahren: Nach welcher Vorschrift oder welchem Vorgehen wurde kalibriert?
• Datum, Ort der Durchführung, Prüfer
• Angaben zur Messunsicherheit
• Messergebnisse
• Je nach Kalibrierung: DakkS oder ISO Kalibrierzeichen

Die Anforderungen an Kalibrierscheine für DAkkS-akkreditierte Kalibrierlaboratorien sind in dem Dokument DAkkS-DKD-5 festgelegt, das auf www.dakks.de heruntergeladen werden kann [2].

Weiterhin sollten Sie auch das Zertifikat ihres Kalibrierlabors prüfen und ablegen. Hier ist wichtig, dass das Kalibrierlabor für die Parameter zertifiziert ist, die kalibriert werden sollen.

Wir lassen unsere Multimeter nach DakkS kalibrieren. Bei anderen Messgeräten prüfen wir den Bedarf an Genauigkeit und Rückführbarkeit und entscheiden dann, welche Kalibrierung für uns passt.

Haben Sie Anmerkungen oder Kommentare? Hinterlassen Sie uns einen Kommentar oder schreiben Sie eine E-Mail.
Wir freuen uns über Feedback.

Viele Grüße

Martin Bosch

Quellen

[1] Info zu Traceability bei NIST (Zugriff 07.05.2021)

[2] Merkblatt zur metrologischen Rückführbarkeit von DakkS (Zugriff 07.05.2021)

Autor

  • Martin Bosch ist ein Vollblut Hardware-Entwickler und lebt seine Leidenschaft für Elektronik-Entwicklung selbständig in der MEDtech Ingenieur GmbH aus. Der Schwerpunkt der Tätigkeit liegt in der Entwicklung von Embedded Elektronik für medizinische Anwendungen. Embedded Elektronik bedeutet hierbei den Entwurf von Leiterplatten und Schaltungen mit Mikrocontrollern und analoger Schaltungstechnik für verschiedenste Geräte, von Blutanalyse-Geräten bis zu Defibrillatoren.

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