Shall, Should, Must, Will, May …

Goran Madzar

27/08/2016

Beim Schreiben von Anforderungen zählt jedes Wort. Anforderungen werden meist in Satzschablonen in englischer Sprache geschrieben. Englisch ist heutzutage der Standard, da die Produkte weltweit zugelassen werden oder die Entwicklungsteams bzw. Kunden weltweit verteilt sind. Besonders wichtig ist die richtige Verwendung der modalen Hilfsverben „shall“, „should“, „must“, „will“ und „may“.

Must shall should may will

Shall (muss)

Ein „shall“ kennzeichnet eine Anforderung als verbindlich und stellt wohl den wichtigsten Begriff für Anforderungen dar. Eine Anforderung mit „shall“ im Satz muss umgesetzt und deren Implementierung verifiziert werden. „Shall“ darf somit keineswegs mit einem „sollte“, sondern ganz klar mit einem „muss“ übersetzt werden!

Meine Empfehlung ist, jede Anforderung, die verbindlich ist mit „shall“ zu formulieren. Ein „Shall not“ zeigt an, dass etwas nicht zulässig ist. „Shall not“ bedeutet also nicht, dass etwas nicht sein muss, sondern dass es nicht sein darf. Ein wesentlicher Unterschied.

Should (sollte)

Das modale Hilfsverb „should“ zeigt eine weiche Anforderung an. Hier wird eine Anforderung formuliert, die aber, falls gute Gründe dafür sprechen, unter Berücksichtigung der Zusammenhänge, entfallen kann. Wenn z. B. die Entwicklungskosten durch diese Anforderung unverhältnismäßig in die Höhe getrieben werden, kann diese Anforderung unter den Tisch fallen. Weiterhin hat „should“ seine Berechtigung für Anforderungen die nicht testbar sind. Damit kann man Anforderungen formulieren, um einem Entwicklungsteam Ziele vorzugeben, die aber nicht formal verifizierbar sind.

Must (muss)

„Must“ wird oft gleichberechtigt zu „shall“ verwendet. Ich empfehle „must“ nicht zu verwenden, da es nur Unsicherheiten schafft. Was ist der Unterschied zwischen „must“ und „shall“? Ein Mischmasch soll auf jeden Fall vermieden werden. Mit „shall“ sind Sie auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

Will (wird)

Mit „will“ kann man Tatsachenentscheidungen dokumentieren. Diese Information ist für einen Zulieferer relevant, jedoch keine Anforderung an den Zulieferer selbst. Mit „will“ kann man z. B. spezifizieren, wie sich ein Fremdsystem oder eine bereits existierende Lösung verhält oder verhalten wird. „Will“-Anforderungen benötigen keine Verifizierung durch den Zulieferer.

May (darf)

Weniger als „may“ geht wohl nicht. Eine Anforderung mit „may“ ist absolut beliebig. Hiermit kann man sich ein Feature wünschen, das schön wäre, welches aber auch absolut irrelevant ist. So ganz nach dem Motto „Mach es oder lass es“.

Wer Freude an den Begrifflichkeiten gefunden hat, für den habe ich ein Zitat vom Mathematiker und Physiker Georg Christoph Lichtenberg.

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll.


Geschrieben von Goran Madzar

MEDtech Ingenieur aus Leidenschaft! Mein Team und ich helfen Medizintechnik-Herstellern mit Engineering-Dienstleistungen dabei, Produkte zu entwickeln und in Verkehr zu bringen! Sprechen sie mich gerne an, ob bei LinkedIn oder per Mail. Ich freue mich Sie kennenzulernen.


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